Mit Berichten über Kriege und umstrittene Wahlen setzen Medienschaffende am ehesten ihr Leben aufs Spiel. Der Jahresbericht 2009 von Reporter ohne Grenzen zeigt eine deutliche Zunahme der Repression.

Die Zahlen sind ernüchternd: Gemäss dem Jahresbericht von Reporter ohne Grenzen, in dem vermutlich jüngsten Vorfälle im Iran und in anderen Krisenherden noch gar nicht mitgezählt worden, stieg 2009 die Zahl der ermordeten Journalisten erneut an, um mehr als ein Viertal auf 76 Todesfälle. Das abgelaufene Jahr war auch ein Jahr des Exils: Mehr als 150 Journalisten sind aus ihrer Heimat geflüchtet. Und: Die Neuen Medien geraten noch stärker ins Visier der Zensoren.

Die Jahresbilanz 2009 von Reporter ohne Grenzen in Zahlen  (mit Veränderung gegenüber 2008)
Journalisten getötet: 76 (+27%)
Journalisten festgenommen: 573(15%)
Journalisten angegriffen/ bedroht     1456 (+57%)
Medien zensiert: 570 (+62%)
Journalisten entführt: 33 (+14%)
Blogger festgenommen: 151 (+156%)
Blogger angegriffen: 61 (+36%)
Länder von Internetzensur betroffen: 60 (+62%)

Massaker in den Philippinen
Das Jahr 2009 ist von zwei dramatischen Ereignissen gezeichnet: ein Massaker im Süden der Philippinen im November, bei dem 30 Medienmitarbeiter starben – der grösste von Reporter ohne Grenzen (ROG) jemals dokumentierte Vorfall dieser Art. Darüber hinaus ist das Jahr von einer unvergleichlichen Welle von Verhaftungen und Verurteilungen von Journalisten und Bloggern im Iran nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Juni geprägt.

Zunehmende Vertreibung
Fast 160 Journalisten und Blogger sind in diesem Jahr ausserdem aus ihren Heimatländern geflüchtet. So flohen zum Beispiel iranische Pressefotografen über die Grenze in die Türkei, um ihrer Verhaftung zu entgehen, somalische Radioreporter retteten sich nach Todesdrohungen in angrenzende Staaten. Diese Menschen haben in ihren Heimatländern die Öffentlichkeit mit wichtigen Informationen versorgt und werden deswegen von ihren Regierungen mit allen Mitteln verfolgt.

Riskante Arbeit
In Kriegen und während Wahlen waren Journalisten im Jahr 2009 besonderen Bedrohungen ausgesetzt. Über einen bewaffneten Konflikt zu schreiben erweist sich als immer gefährlicher für Journalisten. „Sie geraten in die Schusslinie, werden gezielt ermordet oder entführt. Aber auch die Berichterstattung während Wahlperioden ist in einigen Ländern eine riskante Arbeit, die im Gefängnis oder im Krankenhaus enden kann. Die Gewalt gegen Journalisten vor oder nach Wahlen erreichte insbesondere Staaten mit geringen demokratischen Strukturen im Jahr 2009 ein extremes Ausmaß“, sagt ROG-Generalsekretär Jean-François Julliard anlässlich der Veröffentlichung der Jahresbilanz.
„Eine andere, keinesfalls überraschende, Beobachtung ist die Zunahme von Online-Zensur und Repressionen gegen Blogger. Sobald die neuen Medien eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Informationen spielen, reagieren einige Regierungen mit besonders harten Repressionen. Blogger stehen mittlerweile unter der gleichen Beobachtung wie Mitarbeiter konventioneller Medien“, so Julliard weiter.

Pluralismus der Meinungen und Kritik unterdrückt
„Unsere größte Sorge ist in diesem Jahr der massive Exodus von Journalisten aus repressiven Staaten wie dem Iran oder Sri Lanka. Die Behörden in diesen Ländern fördern häufig bewusst eine Flucht von Journalisten und Bloggern, um damit den Pluralismus der Meinungen und Kritik zu unterdrücken. Diese Tendenz ist gefährlich und sie muss mit allen Kräften verurteilt und angeprangert werden“, warnt der ROG-Generalsekretär.

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