Die SF-Tagesschau zeigt in einem Beitrag verwackelte YouTube-Bilder eines schwarzen Lebewesens in einem Wald. Durch die unkommentierte Einbettung in den Beitrag kommt man darauf, es seien aktuelle Bilder des derzeit von der Kantonspolizei gesuchten „unbekannten Tiers“.

Ein von der SF-Tagesschau ausgestrahltes YouTube-Video zeigt ein schwarzes Tier aus der Ferne. Bild: Screenshot youtube.com
Ein YouTube-Video zeigt ein schwarzes Tier aus der Ferne. Die SF-Tagesschau übernimmt einen Ausschnitt unkommentiert in den eigenen Beitrag. Bild: Screenshot youtube.com.

Zwei Medienmitteilungen hat die Kantonspolizei Solothurn bisher gemacht, und zwar am 4. Mai („Kestenholz: Unbekanntes Tier in Wald gesichtet“) und am 8. Mai („Kestenholz, Weitere Meldungen zu unbekanntem Tier“). Es heisst darin:

„Nach Beurteilung der zuständigen kantonalen Stellen könnte es sich bei dem beobachteten Tier möglicherweise um eine kleine Raubkatze oder auch um einen entlaufenen Hund handeln.

(…) das Tier konnte weder fotografiert noch lokalisiert werden.“

Es gibt also bisher keine Bilder vom Tier, dessen Verbleib von allerhöchster Wichtigkeit und Dringlichkeit zu sein scheint, wenn als Massstab die Themenwahl der Schweizer Medien verwendet wird.

Doch das Fernsehen braucht Bilder, um den Beitrag zu illustrieren. Am besten Bilder von einem schwarzen Panther, um den es sich beim gesuchten Tier womöglich handelt. Hier der am Montag in der Hauptausgabe gesendete Beitrag mit dem durch die verfügbaren Fakten eher nicht gestützten Titel „Panther in der Schweiz gesichtet“:

Tagesschau vom 08.05.2012

Und wo bedient man sich, wenn man keine Bilder hat? Bei YouTube. Dort ist nämlich seit dem 15. November 2009 dieses Video online:

Im YouTube-Video soll ein in Belgien gesichteter schwarzer Panther zu sehen sein. Aber da jedermann YouTube-Videos hochladen kann und die irgendwie betiteln kann, könnte es auch irgendein anderes Tier in irgendeinem anderen Land zu irgendeiner anderen Zeit sein.

Wenn man schon ein nicht verifiziertes YouTube-Video in den eigenen Beitrag übernimmt, dann muss man auch dazuschreiben, dass man keine Ahnung hat, was die Bilder zeigen. Denn wenn man nicht herausfindet, was das Video zeigt, dann muss man das dem Zuseher mitteilen. Besser wäre, und für solche Recherchen ist das öffentlich-rechtliche Fernsehen finanziell unterstützt, wenn man verifiziert, was auf den Bildern zu sehen ist.

Auf jeden Fall ganz verkehrt ist es, dem Zuschauer irgendein schwarzes Lebewesen aus der Ferne zu zeigen und ihm den Eindruck zu geben, als handle es sich um das in der Schweiz gesichtete Tier. So aber arbeitet die „Tagesschau“-Redaktion augenscheinlich.

Zu den Panther-Sichtungen sagt Ulrich Magin im Newsnet-Interview übrigens:

Erstens denke ich, dass diese Sichtungen keine Schwindel oder Erfindungen sind – die Leute sehen wirklich was. Ich vermute aber, dass es sich bei den meisten Sichtungen um Hunde oder Katzen handelt. Katzen, die aufgrund der Perspektive als grösser wahrgenommen werden, als sie sind. Oder Hunde mit exotischem Aussehen. Das hatten wir schon öfters, dass zum Beispiel ein Königspudel mit Mähnenschnitt als Löwe wahrgenommen wird.

Wer nun wirklich geistig müde geworden ist, sei zum Trost gesagt, dass es dem Panther von Rilke auch nicht anders geht.

(via Infosperber)

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