Vertreter der grossen drei Zürcher Verlage diskutieren am Communication Summit 2014 über die digitale Herausforderung und den Spagat zwischen Vergangenheit und Zukunft. ComSum14

«Wir lieben Zeitungen!» Pietro Supino gab diese klare Antwort auf die Frage, weshalb er denn einen Zeitungstitel nach dem anderen kaufe, wenn er doch lieber in Online-Projekte investiere. Dass solche Investments nicht immer zum Erfolg führen, gab der Tamedia-Verleger im Gespräch mit Moderator Reto Lipp (SRF, Moderator Eco) freimütig zu. Teuer waren nach dem Scheitern der eigenen Projekte die Zukäufe. Sein Unternehmen hat kürzlich gemeinsam mit Ringier das Stellenportal «jobs.ch» für stolze 400 Mio. Fr. erworben, arrondiert aber zugleich die Zürcher Regionalzeitungen und das Westschweizer Print-Imperium.
Der Communication Summit 2014 musste leider ohne den erkrankten Frank Schirrmacher auskommen. Für ihn sprang Supino in die Bresche, der kurzfristig ein hörenswertes Referat zusammengestellt hatte und sich den Abend über von lockeren und witzigen Seite zeigte. Als es um die von ihm für den Konzern angestrebte Rendite von 15% ging, lachte Supino. Er denke von jeden Tag von früh bis spät nur an diese Zahl 15, er habe gar nichts anderes im Kopf als die 15, erklärte er mit einem maliziösen Lächeln. Und erklärte dann ernsthaft, dass vom Renditeziel 15% nach Abschreibungen und Steuern nur etwa 8% übrig blieben. «Ein Drittel davon geht als Dividende ab, zwei Drittel davon werden investiert.»

Pietro Supino

Mit auf der Bühne waren NZZ-CEO Veit Dengler, der zwischendurch immer mal wieder auf seinem Smartphone die Tweets zur Veranstaltung prüfte und darauf hinwies, dass es für Journalisten heute gar nicht mehr so einfach sei, nach den durch die sozialen Medien publizierten eigentlichen News einen Mehrwert zu generieren. Chancen gebe es dafür beim Einordnen, Analysieren und Kommentieren, so Dengler. Für die neue Chefredaktorin des «SonntagsBlick», Christine Maier, bleibt «Journalismus mein Traumberuf, meine Leidenschaft!». Sie würde auch in der heutigen, schwierigen Zeit auf jeden Fall wieder Journalistin werden.
Das eigentliche Thema, nämlich die Digitalisierung der Inhalte und die Bezahlbereitschaft der Konsumenten, kam nur am Rande zur Sprache. Es zeigt: Die grossen drei der Schweizer Verlagsbranche tun sich mit der Herausforderung schwer.

Immerhin auf eine bemerkenswerte Aussage liess sich Pietro Supino festlegen: «Für uns als Tamedia wäre es besser, wenn es einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) in der Deutschschweiz gäbe.» Tamedia würde nämlich jetzt schon bessere Arbeitsbedingungen anbieten, als sie im GAV festgeschrieben seien, und er wäre froh, wenn nicht immer wieder vor Gebäuden des Unternehmens demonstriert würde.

400 Gäste

Die mehr als 400 Gäste im Audimax der ETH Zürich, die der Einladung von ZPV und ZPRG gefolgt waren, vernahmen sein Wort gerne und diskutierten anschliessend beim Apéro die Erkenntnisse des Communication Summits 2014.  Ronnie Grob/pv.ch 

Fotos: Markus Senn

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Bericht von Walter Schärer auf Webmemo

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