Am «International Journalism Festival» in Perugia kristallisierten sich fünf wichtige Erkenntnisse heraus.

Video is king

Eine Studie des «Reuters Institute» kam zur Erkenntnis, dass 79% der Digital Leaders dieses Jahr mehr in Video investieren werden. Video wird 2016 eine entscheidende Form sein. Nur wer sich schnell anpasst, wird von diesem Trend profitieren können.

Weil Facebook aktuell mit seinem Algorithmus direkt hochgeladene Videos sehr prominent in den Feed ausspielt, müssen sich Medien-Unternehmen darüber Gedanken machen. Doch Facebook ist nicht der einzige Grund: Instagram wird die Video-Dauer von 15 Sekunden auf eine Minute erhöhen. YouTube ist schon lange ein Kosmos innovativer Formate. Auch bei Twitter sind Videos hoch im Kurs.

Bevor man investiert, muss man sich über einige Punkte klar werden:

  • Was soll Video im Kontext des gesamten Content bieten?
  • Welchen Qualitätsstandard möchten wir bieten?
  • Welche ethischen Grundsätze legen wir für Video fest?
  • Wie messen wir die Reichweite und Wirksamkeit (Watch Time vs. Clicks)?

Distribution is king 

Du musst da hin, wo die Leute sind – ob dir das gefällt oder nicht. Durch die Digitalisierung haben die traditionellen Distributionsmethoden (Print, Broadcast) an Gewicht verloren. In Perugia sprach man sogar schon vom «post website age».

Umso wichtiger ist es, bereits vor der Publikation an die Distribution zu denken. «One size fits all» ist ein veraltetes Denken, denn der Kontext der Konsumenten spielt eine wichtige Rolle: Das Publikum auf Facebook ist ein anderes als auf Twitter. Diesem Umstand muss man Rechnung tragen, der Content entsprechend angepasst werden.

Trotz allem: Es bleibt ein ständiges Experimentieren. Man muss den Impact messen, das Experiment allenfalls anpassen.

Flexibility is king

Wieso kämpfen Medien-Startups weniger mit der Digitalisierung als sogenannte «Legacy media»?

Weil sie ihre Strukturen auf maximale Flexibilität auslegen. Da spielt es keine Rolle, ob man Videos produzieren, möglichst viralen Content verbreiten oder interaktiven Journalismus publizieren möchte.

Die alten Medienmarken hinken wegen ihren eingerosteten Strukturen, die für den vielfältigen Journalismus des 21. Jahrhundert nicht mehr taugen.

Engagement is king

Im Zeitalter der sozialen Medien müssen sich Journalistinnen und Journalisten aktiv um einen Dialog mit ihren Lesern bemühen. Über die Artikel und Themen werden gesprochen, aber nicht unbedingt auf der eigenen Website, sondern in den sozialen Netzwerken.

Man muss aufhören, das Engagement der Leser als Beigemüse unter dem Artikel zu sehen, sondern als wertvolle Ressource.

Für ein effektives Community-Management ist es auch wichtig, sich Alternativen zur offenen Kommentarspalte zu überlegen. Wie kann die Leser-Interaktion dazu beitragen, einer Geschichte mehr Impact zu verleihen? Hier ein exzellentes Beispiel der «New York Times».

Brand is still king

Selbst wenn man als traditionelles Medienhaus möglichst innovativ sein will, muss man sich treu bleiben. Die Marke, die damit verbundenen Werte und der einher gehende Ruf müssen über alle Plattformen hinweg geschützt werden.

Wenn BuzzFeed mit Food-Videos erfolgreich ist, heisst das nicht, dass das SRF dasselbe machen muss. Die Erwartungshaltung des Publikums ist nämlich anders und goutiert eine billige Kopie nicht.

Deshalb muss man die Marke weiter schärfen, den Wert immer wieder ausloten und einen starken Fokus für die eigenen Stärken entwickeln.

  • Eine interessante Zusammenstellung. Entspricht auch meinem Eindruck.