Christof Moser und Constantin Seibt wollen mit dem Start-up «Project R» einen Gegenpol zu den traditionellen Medienhäusern bilden. Moser spricht im Kurz-Interview über die neusten Sparmassnahmen bei Tamedia, über Praktika bei den grossen Verlagen und er verrät, dass «Project R» auch junge Journalisten an Bord holen wird.

von Karin Wenger, jungejournalisten.ch Bild: project-r.construction

«Sparen» ist das Lieblingswort der Schweizer Verleger. Gespart wird überall, wo noch Leben auszupressen ist – und auch dort, wo längst Blut fliesst.

AZ Medien: minus 26 Stellen. Tamedia: minus 31 bei «24 heures» und «Tribune de Genève»minus 5 bei der Berner Zeitung. Nun wurde bekannt: ein Quäntchen Leben ist noch zu holen beim «Tages-Anzeiger» und der «SonntagsZeitung». Die Redaktion soll zwölf Prozent billiger werden. Hierfür seien ein unbegrenzter Artikelaustausch mit der «Süddeutschen Zeitung» sowie ein Stellenabbau vorgesehen, schreibt der Journalist Christof Moser in der Schweiz am Sonntag. Tamedia-Vertreter wollten dazu im Artikel keine Stellung nehmen.

Im Herzen vieler Jungjournalisten tobt ein Kleinkrieg. Ein Praktikum bei einem renommierten Medientitel verspricht den Einstieg in die Branche und wertvolle Kontakte – doch will ich ein Praktikum bei einem Verlag, der spart, wo nichts mehr zu holen ist? Bei einem Verlag, der mit höchstem Engagement mein künftiges Berufsfeld aushöhlt?

Ich habe Christof Moser genau diese Frage gestellt – und natürlich auch, was er und sein Baby «Project R» für junge Journalisten tun werden.

Was denkst du über die geplanten Sparmassnahmen bei Tamedia?

Warten wir die offizielle Kommunikation ab. Grundsätzlich sind die Sparmassnahmen eine Bestätigung der Gründe, warum wir «Project R» lancieren. Die Verleger steigen aus dem Journalismus aus. Ohne funktionierende Redaktion verliert der Journalismus seine Seele. Und das spürt auch das Publikum.

Nun sind junge Medienschaffende auf Praktika angewiesen, um in die Branche einzusteigen. Rätst du ihnen, auf Praktikastellen bei Tagi und Blick zu verzichten?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe zwischen 20 und 30 bei fünf verschiedenen Redaktionen das journalistische Handwerk gelernt. Dieser breite Einblick in die Medienbranche hilft mir heute sehr. Was ich aber rate: Widerborstig zu sein und nicht alles zu machen, was die Chefs wollen.

Hast du hierfür ein konkretes Beispiel?

Nichts schreiben oder produzieren, wozu man nicht stehen kann. Rote Linien definieren, bevor man sie braucht. Für mich war zum Beispiel immer klar: ich mache keinen Journalismus, der nach unten tritt.

Stichwort «Project R»: Du und Constantin Seibt habt ein unabhängiges Medium gegründet. Was wollt ihr damit erreichen?

Wir wollen dem Journalismus seinen Platz zurückgeben: als verlässlicher Wachhund der Demokratie. Und eine Bewegung schaffen, die guten Journalismus will und unterstützt.

Wird es auch für junge Journalisten Platz haben in «Project R»?

Na klar. Sowohl im Team wie auch im Freelancer-Pool. Und: wir werden auch ausbilden!

Oh, das freut mich. Kannst du da schon ein paar Details mehr verraten?

Leider nein. Wir stecken mitten in der Arbeit.

Letzte Frage: Was brauchen junge Journalisten, um sich künftig im Medienmarkt zu behaupten?

Das Gleiche wie schon vor 5, 10 oder 20 Jahren: Mut, kritisches Denken und eigene Ideen.

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