Es war der Begriff des Communication Summits 2017: Die Schweizer Medienwelt – egal ob auf dem Gebiet des Journalismus oder der Public Relations – scheut die Konfrontation, nimmt ein bisschen viel Rücksicht nach allen Seiten und ist alles in allem «ein wenig kuschelig».

Der Ausdruck «kuschelig stammt von Markus Wiegand, Chefredaktor des «Schweizer Journalisten» von 2005 bis 2015. Geprägt hat er ihn am diesjährigen Communication Summit in Zürich, veranstaltet von der Zürcher PR-Gesellschaft (ZPRG) und vom Zürcher Presseverein (ZPV).

Haig Simonian. Bild: zvg
Haig Simonian. Bild: Markus Senn

Schon der ehemalige «Financial Times»-Journalist Haig Simonian hatte in seinem Eröffnungsreferat ähnliche Töne angeschlagen, wenn auch eher britisch zurückhaltend. Die Schweizer PR-Branche sei weitgehend zersplittert und deshalb wenig wirksam. Die grossen internationalen Büros seien hier ziemlich abwesend, und den vielen Einzelmasken täte es gut, sich zu schlagkräftigen und professionellen Agenturen zusammen zu schliessen. Auch der Schweizer Journalismus sei «etwas langsam», was angesichts der beiden grossen Herausforderungen Globalisierung und Digitalisierung die Zukunft schwierig aussehen lasse, mahnte er.

Die Schweizer Szene besetzt in Sachen «Kuscheligkeit» allerdings nicht den Spitzenplatz, wie Gerlinde Manz-Christ zur allgemeinen Heiterkeit erzählte. Als damalige Medienverantwortliche der Liechtensteiner Regierung habe sie gleich zu Beginn ihrer dortigen Arbeitszeit den Auftrag gefasst, ein ganzseitiges Interview mit dem Regierungspräsidenten für eine Lokalzeitung zu schreiben, sprich: von Anfang bis Ende zu erfinden.

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Anekdoten und Analysen auf dem Podium. Bild: Markus Senn

Ähnlich seltsam mutet es für den früheren «Blick»-Chefredaktor Ralph Grosse-Bley an, wenn er sich daran erinnert, dass er alle Statements vor allem von Politikern gegenlesen lassen musste. Zwar wird dies offenbar auch in Deutschland versucht, aber wenn es ein Gesprächspartner übertreibt, kann dies auch dazu führen, dass auf diesen Wunsch gar nicht eingetreten wird.

Haig Simonian konnte da nur den Kopf schütteln: Das ist in England gar nicht üblich. Die heutige Business-Diplomatin Gerlinde Manz-Christ zeigte sich etwas weniger hart und gab zu bedenken, dass sie nichts erreiche, wenn sie die Leute vor den Kopf stosse.

Moderator Reto Lipp. Bild: zvg
Moderator Reto Lipp. Bild: Markus Senn

Die von TV-Präsentator Reto Lipp («Eco») lebendig und anregend geleitete Diskussion unter dem Titel «Kommunikation Schweiz – Die Aussensicht von Insidern» machte deutlich, dass sich die Kommunikationswelt im letzten Dutzend Jahren gründlich geändert hat und weiterhin rasch ändern wird. Von allen wird eine entsprechende Ausrichtung auf diese Situation verlangt, wenn sie weiterhin etwas zu sagen haben wollen. «Die Zeit des bedruckten Papiers ist endlich», formulierte es Ralph Grosse-Bley, aber alle waren sich einig, dass es weiterhin Journalisten brauchen werde die die Ereignisse in einen grösseren Zusammenhang stellen – in welchen Medien auch immer.

Markus Wiegand, Ralph Grosse-Bley, Gerlinde Manz-Christ, Reto Lipp und Haig Simonian (v.l.). Bild: zvg
Markus Wiegand, Ralph Grosse-Bley, Gerlinde Manz-Christ, Reto Lipp und Haig Simonian (v.l.). Bild: Marus Senn
Bild: zvg
Bild: Markus Senn

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