Der Peinosaurier

Unser Tratsch-Reporter K. Latsch meldet sich zurück. Es wurde definitiv Zeit, den werten Herren aus dem Ruhestand zu holen. Für seine neuste Glosse verschlug es ihn ins Zürcher Oberland.

Werbung für Medienhäuser ist ja immer so eine Sache. Selten ist sie gelungen, meist zum Fremdschämen. Aber was willl man machen? Schliesslich hat der Verlag dafür einiges an Geld ausgegeben, also muss damit auch geworben werden!

Vor einigen Monaten warben etwa die Tamedia-Regionalzeitungen für ihren Qualitätsjournalismus und gegen Fake News. Sie taten das, indem sie selber Fake News fabrizierten, die auf den ersten Blick echt schienen. Ging nicht so ganz auf, merkte man aber erst später. Das Marketing passte die Kampagne an.

Doch zum Glück bleibt eine schlechte Werbekampagne nur so lange haften, bis die nächtschlechtere um die Ecke kommt. Und es dauerte nicht lange: Die Zürcher Oberland Medien AG hat Mitte Juli ein neues Maskottchen präsentiert. Es soll für Innovation und Anpassung an den Wandel stehen.

Welches wendige Tier kommt einem da schlagartig in den Sinn? Richtig, ein Dinosaurier natürlich! Jene Tiere, die sich durch einen plötzlichen Wandel der Aussenwelt nicht beeindrucken liessen und bis heute in den heimischen Wäldern Jogger überraschen. Also zumindest Krokodile gibt es ja noch. Und Echsen. Das stimmt natürlich sehr positiv.

Mit Pino in die digitale Zukunft

Kennt Ihr Pino schon? Der Dino ist der neue digitale Botschafter der Zürcher Oberland Medien. Alle Infos dazu findet Ihr hier ➡️ https://bit.ly/2N236jQ

Gepostet von Züriost am Freitag, 13. Juli 2018

 

Und es existieren ja auch noch – nicht zu vergessen – die kilometerlangen Zeitungsdruckmaschinen, die ein wenig aussehen wie das Gerippe eines prähistorischen Geschöpfs im Sauriermuseum Aathal.

Der rosarote, fliegende Züri-Oberland-Dino trägt übrigens den Namen «Pino». Ein Kürzel des Tamedia-Verwaltungsratspräsiden Pietro Supino, dem 38 Prozent des Züri-Oberland-Verlags gehören? Oder ist damit die Weinsorte gemeint, die in einer feuchtfröhlichen Nacht der Marketingabteilung zur Idee des Dinos führte?

Aber vielleicht stammt der Name auch aus einer Marktbefragung von Jugendlichen. Leider wurde der Name falsch übernommen. Die meistgenannte Antwort: «Peino!» Denn die beste Werbung für ein Medienhaus ist und bleibt immer noch der journalistische Inhalt. Es sind Geschichten, die bewegen, ganz ohne erfundene Dinos.

Deshalb: Anstatt Geld für pinke Dinosaurier oder sonstige Halluzinationen rauszuwerfen, sollten die Verlage lieber Geld in jene Orte investieren, wo der Ruf des Verlags Tag für Tag neu verteidigt wird: in der Zeitung.

K. Latsch
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Der Klatsch- und Tratsch-Reporter