Manfred Messmer kündigt alle Zeitungsabos

Der langjährige Journalist Manfred Messmer will alle Zeitungsabos kündigen. Twitter und RSS reichen ihm als Lieferant von Quellen aus.

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Im März 2013 läuft das letzte Zeitungsabo von Manfred Messmer aus. Warum?

Wir mussten einsehen: der Wechsel vom Papier zum Tablet bringt nichts – Verlage, aufgepasst: das Tablet bringt euch keine bessere Zukunft – es liegt am Inhalt. Mit 90 Prozent der Nachrichten und Kommentare, für die ich einen inzwischen doch recht happigen Preis bezahlen muss, kann ich nichts anfangen.

Dabei hat Familie Messmer noch in den 1990er-Jahren über 3000 Franken jährlich für Printprodukte ausgegeben. Und was liest Messmer denn jetzt? Na das, was „über Twitter und RSS ohne mein Zutun 24/7 gratis hochgeladen wird“ – auf dem iPad: Aljazeera, IDF-Spokesperson, Haaretz, Hamas-Info, Reuters, Businessinsider, Economist, Realclearpolitics, Politico, Salon, Daily Beast, Guardian. Und Think Tanks.

Als Hauptgrund der Abkehr formuliert Messmer den „Erregungsjournalismus“ von Schweizer Medien. Welche Wellen der gerade schlage, erfahre er auch auf Twitter, dafür müsse er nichts abonnieren.

Und ja, es gibt keine Hoffnung, Messmer weiterhin als Leser zu gewinnen, nicht mal für die NZZ.

Die Zeitungsverlage können mich abschreiben. Ich komme nicht mehr zurück. Ich werde mein Geld in Zukunft statt in Zeitungen und Zeitschriften, in Bücher investieren.

Ob es Messmer lange ohne Zeitungen aushalten wird? Wir werden es sehen.

Doch er trifft schon einen Punkt. Die immer wieder neu aufbrandenden Erregungswellen, auf denen Zeitungen surfen, können ganz schön langweilen. Weil es sich oft um läppische Banalitäten handelt, die zu grossen Skandalen gemacht werden.

„Übers Zeitungssterben oder: weshalb ich alle Abos auslaufen lasse“

  1. Und schon wieder ein Beispiel, wie eine Diskussion, wenn auch in kleinem Rahmen, heute abläuft.

    Ich bin ja durchaus gewillt, etwas fürs Schnitzel zu bezahlen. Aber wenn mich der Metzger auch noch zu Mettwurst und Salami zwingt, dann gehe ich nicht mehr hin.
    Ich kann in der Tat auch künftig nicht ohne News, Meinungen und Hintergrundberichte leben. Aber das alles finde ich heute alles im Netz. Und zwar vieles auf Empfehlung von twitternden Journalisten.
    Insofern sind für mich als Kommunikationsprofi und Newsjunkie – derzeit in Indien unterwegs – geradezu paradiesische Zeiten ausgebrochen.
    An die hier versammelten Journalisten: wie viel Zeit verbringt Ihr denn im Netz und wie viel mit Papier in der Hand? Na also.

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